Tagebuch von Arthur Schnitzler, 15. 5. 1892

15/5 Sonntag.– 30. Geburtstag! – Morgens ein Brief von Reicher, der »im Verein mit Blumenthal meinem hochinter. Bühnenwerk zu seinem Recht verhelfen wird« –

Vormittag mit Mz., die mir Blumen brachte und Kopfweh hatte, im Kaffeehaus.–

Im Riedhof Familienessen, in lauer Stimmung: deutlich die Kränkung, daß ich noch keine Neigung zeige, für die beliebten Enkel zu sorgen.

Nm. z. H. gelesen und an Angelo N. und Mitterwurzer geschrieben.

Um 6 Mz. getroffen; Schwarzenbergmeierei.– Nach Mödling , in die Rest., wie im vorigen Jahre oft. Hübsche Bemerkung von ihr, im Hinausfahren, über die Naturalisten (ihr Truc, ihre Personen schon vorher interessant zu machen um dann für die trockne Schilderung doch zu interessiren). Im ganzen angenehmer, aber etwas langweiliger Abend; ich war ein bischen verstimmt – die Stimmung der letzten Flittertage.– Im Kremser dann Salten, der ermüdet war, von 2–9 geschrieben hatte. Dann Bahr, frisch, Drap Cylinder, stimmungslos.

– Jetzt, ¼ 12 allein im Bett, hatte zu Haus die von Minden an Schwarzkopf rückgesandten Manuscripte des Anatol gefunden und einen larmoyanten Brief von Adolf, für den ich nichts mehr empfinde.

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1879–1892 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1987