Tagebuch von Arthur Schnitzler, 22. 5. 1909

22/5 Vm. Besorgungen. Panorama: Kanada .–

Nm. am Medardus.–

Georg1 v. Nagy, junger Dichter, von Bahr empfohlen. Frisch und sympathisch. Die Gedichte, die er gleich mit hatte, in freien Rhythmen, nicht gut. Aber irgend was steckt in ihm.

Oberlt. v. Nowy, der mir neulich Feuilleton über mich gesandt und eine Novelle, mit allerlei Fragen und Urtheilen, zum ganzen, mit einer Spur von Begabung, nicht ohne Literateneitelkeit, von versöhnender Naivität, die im Bereich des Intellectuellen bis ins heitre, auch ins mattoide geht. (Sein Opernstoff, der »eigentlich für Hofmannsthal wäre, mit der Weltouverture und der Weltgeschichte in 4 Bildern«– seine Bemerkungen über den Weg ins freie und meine »Resignation«.)

Noch bis in die Nacht am Medardus.

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1909–1912 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Richard Miklin, Maria Neyses, Susanne Pertlik, Walter Ruprechter und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1981
1 GeorgIrrtum Schnitzlers.