Tagebuch von Arthur Schnitzler, 10. 6. 1909

10/6 Gegen Mittag kam Julie Wassermann; ich sagte ihr meine Meinung über ihre Mscrpte (auf ihren Wunsch) – sie weinte, that mir fast leid, aber als ich ihrer vollkommenen Einsichtslosigkeit gewahr wurde (sie stellte ihre Sachen »doch mindestens« Fulda und Bahr gleich) wurde ich noch schonungsloser.

– Bei Mama zu Tisch. Onkel Felix Julie, ihre Töchter, Alfred Mandl, Renni Meyer . Ich spielte mit Felix einen Satz aus Tschaikowsky V.

– Collationirt zu Hause die Abschriften des Med. und trug die Correcturen ein.

Zum Nachtmahl Kapellmeister Walter, Richard und Paula. Die Unsicherheit des Hörens verleidet mir auch manchmal schon so kleine Gesellschaften. Müdigkeit und Melancholie.–

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1909–1912 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Richard Miklin, Maria Neyses, Susanne Pertlik, Walter Ruprechter und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1981