Tagebuch von Arthur Schnitzler, 6. 11. 1910

6/11 S. Nebel und Regenwetter. Zu Speidels. Über die Medardus Proben u. a.

Mama zu Tisch. Nm. mit ihr das Trio des 13j. Korngold. Außerordentlich.–

Frau Benedict mit Minnie erscheinen, sehn sich das Haus an, nehmen Thee mit uns. Minnie erledigt nur einige wenige Taktlosigkeiten (zu O.: Sie können auch ohne Ihren Mann zu uns kommen – Sie sehen, wir sind nicht Streberinnen .  .  .  Ich darauf. Vielleicht erst recht.– Zu mir: »Auf Ihren Bildern sehn Sie immer aus wie ein schlechter Charakter.«) war aber sonst resignirt; will ein Gut kaufen bei Großreifling sich aufs Land zurückziehn. Die Mutter sehr sympathisch.

– Später Dr. Kaufmann. Viel über das Problem Salten; über ihn, Bahr, Berger – die Feuilletonisten Naturen. (Der Wurstl Roman 1 wieder nahe, durch die Figur Saltens, der da nicht zu entbehren sein wird.) –

Frl. Vilma Balogh, Budapest ; wegen Aufführung »Anatol« in den dortigen Kammerspielen, Übersetzung »Weg ins freie«; wie sich herausstellte, hatte sie mich bei dieser Gelegenheit auch interviewt.–

Mit O. nach dem Nachtmahl Pfitzner, Schubert.

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1909–1912 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Richard Miklin, Maria Neyses, Susanne Pertlik, Walter Ruprechter und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1981
1 Wurstl Roman Fragment. Veröffentlicht aus dem Nachlass: Theaterroman. In: Literatur und Kritik, H. 13, April 1967, S. 135–183, teilweise A S. EV 469–474.