Tagebuch von Arthur Schnitzler, 16. 11. 1910

16/11 Decorations Probe. Nicht alles fertig. Manches von Lefler schwach. Lehner sehr gut. (Glacis.) – B. zornig über die administrativen Zustände; will Wandel schaffen (wie?). Mit ihm und Thimig über die ungeheuern Mängel des Hauses, Baugeschichte. Hasenauer, Hohenlohes Protégé.– Verschwendung. Thimigs Audienz beim Kaiser, resp. bei der Schratt mit ihm.– Mit B. über das Personal. Die Medelsky unterschätzt er. Bleibtreu hat für ihn einen Geruch von Gulyas und Bier.– Bastei von der Gallerie aus.–

– Brief von Bahr, der über den Med. nicht schreiben will, recht dumm. Gespräch mit O. Wie das social-äußerliche des literarischen Lebens das Wesentliche verfälscht, ja aufhebt. Man hat ein Werk geschrieben – dessen Fehler man nicht verkennt .  .  .  das aber zweifellos zu den merkwürdigen vielleicht bedeutenden seiner Epoche gehört. Man ist daran, dem Publikum, den Freunden – keineswegs etwas übles zu thun, sondern eher etwas zu schenken. Und man sieht diesem Vorgang entgegen mit dem Gefühl, der innern Frage: Also was für übler Dinge werd ich angeschuldigt werden? .  .  .  Das reine Verhältnis zwischen Künstler und Werk erhält immer eine Trübung wenn es der Öffentlichkeit übergeben wird.–

Helene und Frau A. zum Thee.

Hugo und Gerty zum Nachtmahl. Zeigte die Ur-stoffe zu W. L. und Med.;– im Anschluß an ein Gespräch über Louis Fr. und die letzten Vorfälle in seiner Familie. (Mizi, der »Flederwisch«.) – Hugo war sehr amusant, boshaft, liebenswürdig, falsch – wie meist.

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1909–1912 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Richard Miklin, Maria Neyses, Susanne Pertlik, Walter Ruprechter und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1981