Tagebuch von Arthur Schnitzler, 19. 9. 1911

19/9 Vm. Oper Generalprobe Pierrette 1. (Wymetal hatte mir erst Sonntag geschrieben, er hatte endlich »durch einen glücklichen Zufall« meine Adresse erfahren.–) Saß neben Frau Zuckerkandl; hinter mir die Mildenburg (die mir Grüße von Bahr brachte). Schwache Vorstellung. Der Pierrot ganz unzureichend (Czadill). Schalk dirigirte glanzlos;– der schöne Walzer vom 1. zum 2. Bild nicht wiederzuerkennen.– Es war nur Kritik und sonst wenig Leute; es schien zu mißfallen. Wymetal, mit ihm auf die Bühne (ich kenn ihn von Prag , Freiwild 2) sagte noch einiges; sprach mit Czadill, Frl. Jamrich Pierrette, Godlewski (Arlechino).– Blieb in dem Regie Verschlag Wymetals, da Caruso kam um zu probiren. Er markirte nur und ich entfernte mich.

Nm. Fr. Callier, eine russische Übersetzerin, die sich mit den Worten einführte: »Ich habe Sie viel bestohlen« und mir dann, angeblich uneigennützig vorschlug, bei einem Krakau er Verleger ev. gerichtlich Zahlungen (Reigen) für mich zu erwirken.–

Felix Salten erschien, condoliren. Über Verstorbne und übers Sterben; über den beabsichtigten »Strike« der Burgtheater Kritiker gegen Berger (sie wollen nicht mehr über die Burg schreiben, wenn er ihnen nicht die General Proben wieder aufmacht (Es wär ein Glück fürs Burgtheater!));– ein Komödienplan (eher Vaudeville);– er blieb bis gegen 9, von 6 an.–

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1909–1912 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Richard Miklin, Maria Neyses, Susanne Pertlik, Walter Ruprechter und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1981
2 ich kenn ihn von Prag , Freiwild Er dürfte sich falsch erinnern, denn nicht im November 1897, sondern am 11. 12. 1902 vermerkt er im Tb die Bekanntschaft mit Wymetal.