Tagebuch von Arthur Schnitzler, 31. 12. 1893

31/12 Vorm. D. – Nm. Loris, Salten, Schwarzkopf, B.-Hofmann bei mir.– Abds. bei uns A.’s – Dann ging ich zu D.

– Frau S., Christel, Dilly, Willy, Olga Dv., Theodor Pollak, Nhil, Bahr; später Kraus; Schik.– Ich spielte viel Clavier, Champagner, Cognac; leichter Dusel.– Allgemeine Küsserei. D. war sehr zärtlich.– Um 5 weg.– Im Kfh. mit Kraus und Schik.– (Vorher bei Dilly, Bruderschaft, auch mit Bahr .) (Copiren; Lagern, auf dem Eisbärfell u. s. w.) –

Zu Hause nahm ich das Bild Mz.s aus der untersten Schreibtischlade (früh war ein Brief von ihr gekommen) – Da war es 6 Uhr Morgens, Frühglocken drüben von der Votivkirche, Schneestöbern; ich noch immer in dem leicht überreizten Alkoholzustand – nahm das Bild und mußte sehr viel weinen. Heiße, wehe Thränen.– Das gehört schon ins 94er Jahr – ich wollte mir aber das Gefühl suggeriren, wie ich das Bild wieder zurückgab in die unterste Lade, dass jetzt das Jahr 93 schließe mit all den Banalitäten, die es an mir verübt, mit seinen schweren Enttäuschungen und mit seinem schauerlichen Verluste.

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1893–1902 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Konstanze Fliedl, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1989