Tagebuch von Arthur Schnitzler, 8. 10. 1894

8/10 Brief von Else S., sowie eine Novelle »Im Herbst«. Ich tadelte sie; da das psychol. vollkommen fehlt. Es ist in der Kunst umgekehrt wie im Leben – Thatsachen beweisen nichts;– schrieb ich ihr.– Ihre Bemerkungen über Dilly geschmacklos. »Denn abgesehen von der Heiligkeit, über welche Sie in der Episode nachlesen mögen, ist sie auch eine große Künstlerin;– es sollte noch weniger Moral und etwas mehr Kunst geben.«–

Nm. Ebermann, dem ich eine Empfehlung an Burckhard gab.–

Nm. wie fast täglich Mz. Rnh. da. Ich habe noch nichts gewagt.– Brief von Mz. aus Berlin , treu bis in den Tod etc.; ich telegr. ihr.– Im Volksth. Halali, ein plattes Lustspiel von Skowronnek.– Schwarzkopf zu Bahr: Woher nähmen Sie denn das Material zu Ihren Kritiken, wenn Sie nicht gerade das Gegentheil von den andern sagten.– Dann Bahr zu mir (über Halali): Das wird dem Schwarzkopf gefallen – da denkt er sich: Das kann ich auch.– Ich erwidre, er kenne Schw. schlecht – er sei zuweilen ein Nörgler, aber nie ein Neider.

Zu Dilly.– Portier: Sie ist bei der Schwester.– Später teleph. sie ins Griensteidl: Mutter und Bruder wieder bei ihr.– »Paracelsus« begonnen.

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1893–1902 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Konstanze Fliedl, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1989