Tagebuch von Arthur Schnitzler, 6. 1. 1895

6/1 Vm. bei Dilly.– Nm. bei Bahr.– Abend bei Dilly.– Anfangs, »um mich zu prüfen« läugnete sie, dass Dir. Burckhard da gewesen; ich nur riesig nervös; widerliche Scene. Also, die Burgth.-Affaire erledigt, in wenig Wochen tritt Dilly ihr Engagement an. Dann weinte sie wegen Brkh. (mit dem sie ein langes Verhältnis gehabt) –»Der Mann für den ich so viel gelitten.«– Dann schwur sie abwechselnd, dass sie noch nie jemanden so geliebt habe wie ihn – noch nie jemanden so geliebt wie mich. Ihre Thränen erinnerten mich wieder an Mz., und ich weinte auch. Sie war mir sogar ein paar Minuten rührend; und dadurch fast sympathisch. Das verlor sich aber. Ich komme mir geradezu prostituirt vor in der letzten Zeit.

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1893–1902 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Konstanze Fliedl, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1989