Tagebuch von Arthur Schnitzler, 31. 1. 1895

31/1 Vorm. in Hietzing – Die Hohenfels hatte mich rufen lassen, consult. mich aerztlich. Sonderbar, gerade mich. Denke an die Möglichkeit, dass die Hoh. vielleicht jetzt gern die Rolle spielen möchte, da sie keine große neue für die nächste Zeit hat und von den vielen Sandrock Notizen in der Ztg. verstimmt ist.– Berger sprach über alles mögliche theatralisch, über mich, hauptsächlich, über Rolle für Dilly.–

An der Kasse des Volksth. Der Kassier bittet mich herein und theilt mir mit, dass die S. mit der Grfn. Westphalen eben ½ Std. da gewartet und sich eingehend erkundigt, ob ich einen Sitz für ihre heutige Abschiedsvorstellung genommen habe. Er wüßte nicht.– Vor drei Minuten war sie weg. Nun nahm ich einen Sitz.– An Bahr hatte Dilly teleph., sehr sentimental, ob er glaube, dass ich ihr Blumen schicken werde: Ich hatte schon vorher einen Blumenkorb bestellt. Dazu schrieb ich »Der großen Künstlerin in immer gleicher Bewunderung«.– Abschiedvorstellung.– »Kameraden«. Sie spielte mit meinem kleinen Armband und dem Anhängsel (Kleeblatt) dran! Hatte, wie ich glaube, abwechselnd Blumen von meinem Korb. Es war großer Jubel; sie dankte unter Thränen.– Was hätte ich heute empfunden – wenn ich dieses Weib je geliebt hätte!–

Zu ergänzen: wie die alte S. gesagt (zu Salten) was ich für einen Schaden angerichtet hätte, Vasen, Teller etc. zerschlagen – Die Wahrheit ist: dass ich einmal eine Kefirflasche an die Wand haute!–

Dilly zu Bahr: Sie hätte Salten in jener Nacht nicht hinausgeworfen, weil ich sie dann sicher beschimpft hätte – dass sie meine Freunde schlecht behandle!–

– Zum gesundlachen!–

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1893–1902 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Konstanze Fliedl, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1989