Tagebuch von Arthur Schnitzler, 25. 3. 1895

25/3 Von Mz. I. Brief. Nm. bei Burckhard, ging ärgerlich zu ihm hinauf, kam ziemlich charmirt zurück.– Ich fragte ihn, ob er nicht angewidert sei durch die vielen Rücksichten, die er nach allen Seiten nehmen müsse? Ja, wenn ich mich nobel ausdrücken soll .  .  .  es ist zum Speiben, erwiderte er.– Er sprach von der Hohenlohe, ihrem Beichtvater und manchen andern.–

Bei mir Loris, Richard, Schwarzkopf.– Ueber Andrians Buch 1, das Hugo überschätzt und über Bahr, den er mindestens ethisch überschätzt.–

Mit Mz. R. bei »uns« – Zum Theil wars rasend schön, zum Theil sekkirte sie unverhältnismäßig, daß sie sich wieder anziehn und überhaupt fortgehn müßte.– Ich mußte, ungesehn von ihr, weinen, so traurig stimmten mich diese Kleinigkeiten, die doch die Keime von einem langsamen und sichern Tod sind. Der Tod ist ja sicher; man muss es nur immer wissen, selbst im ersten und üppigsten Blühn einer neuen Liebe, dann spürt man auch, wo er sitzt. Denn wie die Menschen werden auch die Beziehungen mit ihrem Tod geboren.

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1893–1902 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Konstanze Fliedl, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1989