Tagebuch von Arthur Schnitzler, 8. 9. 1895

8/9 Vorm. mit Mz. Rh. Schwarzenberggarten. Resultat: Sie liebt mich, fühlt gewiss selbst, dass sie leidenschaftlicher lieben könnte, da sie daran denken kann, zu heiraten, wenn auch mich in erster Linie. Sie weiss, dass ich unter ungewissen Verhältnissen ein unerträglicher Hausgenosse wäre und möchte doch auch jetzt meine Hand nehmen, nur um aus ihren unleidlichen häuslichen Verhältnissen herauszukommen. Sie ist selbst nicht überzeugt, ganz aufrichtig zu sein, weiß nicht, ob sie mir auch Schwankungen mittheilen möchte.– Aergert sich, wenn ich ihr sage, dass sie alles früher gewußt und dass ich ihr stets meinen Standpunkt klar gemacht – –

Ich war anfangs ernstlich verstimmt.

Nachträglich: Bahr hat mir den greisen Dichter unter tadelnder Kritik zurückgeschickt.–

Nachm. bei Burckhard. Gestern war nemlich in allen Zeitungen, daß mein Stück erste Novität. B. drückt mir seine Bewunderung aus, dass ich nie mit ihm über mein Stück gesprochen.– Möchte den Anatol aufführen. Ich stell mir immer unter dem Anatol Sie, unter dem Max den Bahr vor. Wär interessant, wenn Sie zwei den Anatol und Max spielten und die Sandrock alle weiblichen Rollen spielte.– Erwähnte beiläufig: Ich weiß ja nur, was mir so der Bahr erzählt hat .  .  .  sie wird schon spielen – freilich mit Ketten kann ich sie nicht auf die Bühne ziehen.– – Ueber das »Intime Theater«.

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1893–1902 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Konstanze Fliedl, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1989