Tagebuch von Arthur Schnitzler, 24. 9. 1895

24/9 Nm. Mz. Rh. bei mir.– Abds. Mackay bei mir; mit ihm zu Bahr (Redaction). Schimpft dumm über Sonnenthal, tadelt die Besetzung des » Herrn 1« mit Mitterwurzer; da das Publikum ihn auch im 2. und 3. Akt verlangen und verstimmt sein werde. Mit Mackay in »Venedig«, dann Nordbahn.– Dort Steph. Grossmann, Anarchist. Gespräch mit diesem auf dem Heimweg. Unklarer Kopf. Ich fragte ihn: Heißen Sie die an. Attentate gut? 2.) In welcher Weise nützen sie? Er: Indem sie das Heroische im Menschen zur Entwicklung bringen. Ich: Dieses Heroische könnte in nutzbringenderer Weise zur Entwicklung gebracht werden (Colonisation etc.) und abgesehen davon zeigen die bisherigen Attentäter meistens Merkmale der Degenerirten, wie überhaupt die Menschheit vom Heroischen kommt und nicht dahin geht. Er: Sie stehn mit verschränkten Armen, wollen sich nicht überzeugen lassen. Ich sprach für Anschauungen, gegen Ueberzeugungen.–

Abd. »Paracelsus« gemodelt, »Der Weise« durchgenommen.

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1893–1902 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Konstanze Fliedl, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1989
1 Herrn Figur des betrogenen Ehemanns aus Liebelei.