Tagebuch von Arthur Schnitzler, 9. 9. 1896

9/9 Nm. mit Mz. Rh. bei Uns.– Der Gedanke, wieder 3, 4, 5 Mal die Woche mit ihr zusammenzusein, war mir wieder einmal unangenehm, in Hinblick auf die Mißlichkeiten des »Quartier«.

– Abds. mit Gusti, in einem kleinen Vorstadtbeiselgarten, vollkommen leer; sie erzählt mir, wie Mz. I immer spricht von unsern Spaziergängen Abends in den Vorstadtgassen und Nachtmählern in den Vorstadtrest. – wie sie nur vegetire. Tretmühle, in der Art wie sie auf andre seither wirke, sei etwas naiv kindliches – wie sich nichts ändre;– und sie mußte aufhören zu reden, weil sie zu weinen begann.– Sonderbares Leben dieser Gusti: wie sie still und selbstverständlich ihre Jugend dieser Schwester hinopfert, seit jene durch eigne Schuld mich verloren hat.–

Nm. war Bahr bei mir. Burckhard hatte ihm gesagt: Sudermann hat nie so ein Stück geschrieben (wie das Frwld.) – und ein andrer hätte 2 Stücke daraus gemacht.

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1893–1902 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Konstanze Fliedl, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1989