Tagebuch von Arthur Schnitzler, 7. 2. 1903

7/2 Bei Lola B., dann bei Frau v. Hofmannsthal (seit ihrer Genesung1 das 1. Mal), bei Bahr, woselbst Burckhard, Mizi Schuster, Roth, Bukovics.–

Nm. 5. Akt.– Bei O. wo Gisa, dann Dr. P.

Wieder düstre Stunden, durch meine Schuld, quälend, selbstquälerisch u. s. w. »Auch jetzt, während du ruhig scheinst, bist du’s ja nicht; bist im innersten mißtrauisch – weißt nichts von mir.« – Es ging vielleicht weiter als je;– löste sich wohl in verzweiflungsvollen Thränen, machte uns aber doch beide immer hoffnungsloser.– Als Arzt könnt ich sagen: Chronische psych. Depression; auf erblicher Grundlage, gefördert durch ein störendes als unheilbar erkanntes Ohrenleiden, mit intercurrenten sehr häufigen mäßigern bis krampfartigen Anfällen von Kleinheits-, Verfolgungs-, Eifersuchtswahn; mit Erhaltung des Bewußtseins aber gelegentlichem Verlust der Correctionsfähigkeit.–

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1903–1908 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1991
1 GenesungVon der Operation einer Dermoidzyste am 24. 10. 1902 (A. S. Tb).