Tagebuch von Arthur Schnitzler, 7. 7. 1904

7/7 Leichenbegängnis Theodor Herzl. Schöner Sommertag. Sprach Rotenstern (russ. Übersetzungen) Servaes, dann draußen Bahr, Trebitsch (der Mittwoch Herzl in Edlach besucht hatte. Als die Sonne unterging, sagte Herzl .  .  .  Le soir .  .  .  mon soir, bon soir1).– Salten u. a.– Die Zionisten.– Mit Bahr und Treb. zurück;2 Trebitsch noch bei mir am Balkon.–

Nm. dictirt Roman, aphoristisches.–

Abd. mit O. Liesl, Steinrück, Prater: Constantinhügel, Wurstel, Rutschbahn etc.–

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1903–1908 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1991
1 Le soir mon soir, bon soirSo auch Auernheimer: Das Wirtshaus zur verlorenen Zeit. Wien : Ullstein 1948, S. 42 und, ohne das finale »bon soir«, Trebitsch: Chronik eines Lebens. Zürich, Stuttgart, Wien: Artemis 1951, S. 188.
2 Mit Bahr und Treb. zurück; Olga Schnitzler weicht davon ab: »Am 7. nach dem Begräbnis ist Bahr bei uns, der Herzl in den letzten Jahren nahestand. Es war ein schöner klarer Tag, man saß auf dem Balkon, dem Sternwartepark gegenüber, die Freunde erzählten einander von den verflossenen Jahren, von allem, was sie dem Dahingeschiedenen verband und von ihm trennte. Ein mild verstehendes Wort Herzls, wie nachhallend aus anderer Welt, gab den tröstlich versöhnenden Ausklang: ›Schnitzler? – Er gehört hieher, auf diesen Boden – ganz ebenso wie Schubert.‹« ( Spiegelbild der Freundschaft, S. 100)