Tagebuch von Arthur Schnitzler, 15. 10. 1905

15/10 S. Vorm.bei Gisa, dort mit Hajek und Hammerschlag gesprochen; – nach Tisch Mama da.– Glänzende Kritiken über »Kakadu« – –

– Mit Erls Abd. »Zwischenspiel«. Total ausverkauft. Weisse schickte aus dem Volksth. herüber, ich sollte mich verbeugen (2. Kakadu-Aufführung) – was ich ablehnte.– Nach dem 2. Akt bei Kainz auf der Bühne.– Mit Fulda bei Meissl. Sein Bahr Prozess1 war beigelegt worden; er war aergerlich über eine Interpolation2 in der Zeit, dass Bahr keine formelle Ehrenerklärung abgegeben.– Das Zw. hatte ihm außerordentlich gefallen.–

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1903–1908 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1991
2 Interpolation [O. V.:] Der Prozeß Fulda–Bahr. In: Die Zeit, Jg. 4, Nr. 1098, 15. 10. 1905, S. 6: »Am 21. d. hätte bekanntlich vor dem Schwurgericht die Verhandlung über eine Ehrenbeleidigungsklage stattfinden sollen, die der Schriftsteller Dr. Ludwig Fulda gegen Hermann Bahr eingebracht hatte. Die Klage inkriminierte eine im Feuilleton der ›Oesterreichischen Volkszeitung‹ vom 27. November v. J. enthaltene, auf Fulda gemünzte Aeußerung. Gestern fanden sich nun auf Anregung des Landesgerichtsrates Wach , der in diesem Prozeß den Vorsitz führen sollte, die Parteien in seinem Bureau zu Ausgleichsverhandlungen ein, bei denen auch der Präsident der internationalen Zentralkommission des Preßvereins, Wilhelm Singer, intervenierte. Im Verlaufe dieser Verhandlungen zog Dr. Fulda seine Klage zurück. Eine formelle Ehrenerklärung gab Hermann Bahr nicht ab. Dagegen besagt ein über die Unterhandlungen verfaßtes Communiqué, ›daß der Gedankenaustausch der Herren ergeben habe, daß Herr Bahr bei seiner Aeußerung, die Anlaß zur Klage gab, eine Absicht, der persönlichen Ehre des Dr. Fulda nahezutreten, ferngelegen sei und seine Aeußerung nur durch ein Mißverständnis bedauerlicherweise diese Auslegung gefunden habe.‹« (Der inkriminierte Text ist im Neuen Wiener Tagblatt am 4. 10. 1903 erschienen.)