Tagebuch von Arthur Schnitzler, 15. 5. 1906

15/5 – 44. Geburtstag.– Blumen von O. und Heini.–

In die Stadt, Besorgungen.– In der Tram Arthur Klein und Caecilie, die ins Parlament, Première Hohenlohe fuhren.–

Mama zu Mittag (200 Kronen, ein Divan); Felix und Else Speidel kamen und brachten Blumen.

Blumen von Frl. Wiesenhofer.–

Nm. mit Mama op. 131 Beethoven.

Nachmittag vertrendelt.–

Mit O. ins Theater. »Einsamer Weg«.–

Mit O. in Brahm’s Loge.– Äußerer Erfolg war sehr gross, ich bin wohl gegen 25mal gerufen worden, nach den 4 letzten Akten.– Bassermann wuchs erst im 5. Akt zur ganzen Größe. Reicher war nicht so arg als ich gefürchtet.– Das Stück gefiel mir sehr; insbesondre die Scene Julian Irene im 2. Akt, und der ganze 5. Akt sind höchster Rang. Wäre solches Gelingen bei mir in Continuität, nicht nur An- oder Glücksfall, so wäre ich ein großer Dichter.–

Kainz war 3 Akte lang in unsrer Loge, ging dann, vom Spiel und wohl auch vom Stück unbefriedigt.

Mit O. (und Brahm) Meissl,– dort mit Bahr und Frau, Reicher & Sohn, Julius und Helene, später Trebitsch.

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1903–1908 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1991