Tagebuch von Arthur Schnitzler, 2. 2. 1908

2/2 Eine neue Revue, Erdgeist, die mich heftig zur Mitarbeiterschaft gewinnen wollte, (durch (nicht angenommene) Besuche und Briefe).– Sehr talentlos. Ein Epos (mit Angriffen auf mich). Herr Telmann bringt » Notizen 1« (»Tagebuch«copie Bahr) wo er gleich meinen Roman (das 1. Capitel ist erschienen2!) zu verkleinern sucht. Wollt ihm anfangs schreiben; kam dann ab;– man sollte nur noch rascher mit diesen Flohstichen fertig sein. Es ist ja anzunehmen, dass die Feindseligkeit, offne und versteckte, freche und tückische im Laufe der nächsten Jahre noch steigen wird; es wäre für mein weitres Produciren sehr notwendig, dass ich all diese Dinge schon durch das Gefühl der Verachtung abreagiren könnte.–

Mit O. bei Richard und Paula. Dr. Dietrichstein.–

Nm. Mama, Heini Fräulein vor dem Thor.–

Mit Packen, Ordnen die Zeit vertrödelt.

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1903–1908 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1991
1 Notizen Telmann: Notizen. In: Erdgeist, Jg. 3, H. 1, 1. 2. 1908, S. 23–24.
2 1. Capitel ist erschienen Der Weg ins Freie wurde ab Januar 1908 und bis zum Juni in sechs Teilen in der Neuen Deutschen Rundschau vorabgedruckt. Da das Heft zu Monatsbeginn erschien, war genau genommen auch schon das 2. Kapitel veröffentlicht.