Tagebuch von Arthur Schnitzler, 11. 7. 1908

11/7 Mit Brahm im Wald. Über Polgar. Ich erzählte Brahm, dass ich Sudermann, der sich über die Rosenkritik P.s in der S. u. M. Z. ärgerte, damit beruhigte, dass ich P. ein neidzerfressnes wanzenhaftes Subjekt nannte. Br.: Aber Sie haben mir ihn doch selbst als Talent bezeichnet .  .  .  Ich .  .  .  Ja, – aber ich sehe nicht ein, warum ich gegen Leute gerecht sein soll, die über mich mit Bewußtsein und Vorbedacht lügnerisch, fälscherisch ungerecht schreiben.– Doch empfahl ich Br. zugleich den wirksamen Einakter P.s aus der Schaubühne (Talmas Tod).– Zu erklären bleibt das ganze Wesen solcher Leute doch nur aus der Eigentümlichkeit und Unzulänglichkeit ihrer eignen Produkte. Sie schreiben im wesentlichen talentlos, ohne Eigenart, verständig und lassen sich von dem in ihnen steckenden Kritiker die Produkte gleichsam erst corrigiren, so dass sie leidlich werden.–

Mit Brahm spazieren.– Über Bahr, Altenberg etc.–

Nm. Verlockung und Frieberg.

– Spazieren mit Brahm und O.

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1903–1908 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1991