Tagebuch von Arthur Schnitzler, 22. 11. 1908

22/11 Vm. bei Oskar Straus; geschäftliches u. a. über Cassian,

bei Dohnanyi, gleiches über die Pantomime.

Mittag mit Mama A moll Quartett Schubert.

Nachm. Dr. Richard Tennhardt, von dem ich nichts im Gedächtnis zurückbehalten hatte als sein Gesicht; hatte ihn vor 17 Jahren in Halle kennen gelernt und später in Wien gesprochen. Jetzt ist er seit 10 J. Winter in Assuan , erzählte uns dann rührend-sächselnd-naiv von seiner Einsamkeit; und zeigte uns Briefe und Bild einer Colmarer Försterstochter, hübsch, 20 Jahr und sehr geneigt, ihm dem 55jährigen nach Aegypten zu folgen. Er wagt nicht .  .  .  »wenn sie einen dann verläßt, ist es doch traurig« – Und erzählt dann hübsch von einem Mädel, das er in seiner Vaterstadt angesprochen, auf der Tram, die dann gleich 2 Tage bei ihm geblieben, gar nicht fortgehn wollte .  .  .  was ihm gewissermaßen Muth zu der andern gemacht zu haben scheint.– Er blieb leider zu lang.–

Las Abds. »Rahl« von Bahr.

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1903–1908 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1991