Tagebuch von Arthur Schnitzler, 4. 2. 1919

4/2 Besorgungen in der Stadt. Begegnung mit Obltn. Sander (über Bürgerwehr, Wahlen, Unruhgefahren); Dr. Ergas (der noch in der Schweiz befindliche Sohn;– die aussichtslosen Zustände) – Dr. Müller (Vater des Dichters Hans M.;– Schöpfer in Berlin , Barnowskys Unverläßlichkeiten).– Intendanz bei Dr. Winter; er ist noch immer unsicher über seine Zukunft. Allerlei Theaterfragen.– Er kennt sich in Bahr nicht aus; ich beruhige ihn, indem ich ihm die Wurzel des Bahrschen Wesens als Lausbüberei1 definire, über Karl Kraus, seine letzte Vorlesung2 mit namenlosen Beschimpfungen auf die zugrundegegangnen Central- und sonstigen Mächte – ohne das geringste Gefühl für das Unrecht und die Schurkereien auf der Gegenseite –, – mit Richard und Paula heim. Rich. spricht von der feindseligen mindestens verständnislosen Stimmung des Verlags Fischer gegen uns;– des (klugen aber verbitterten) Heimann schlechter Einfluß; Fi.’s Kleinlichkeiten.–

Nm. Nachklg.

Director Jarno,– erbittet zur Eröffnung des Stadttheaters in neuer Form, mit Karczag,– einen Einakter zu einem gemischten Abend (Schönherr, Bahr, Salten).–

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1917–1919 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Richard Miklin, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1985