Tagebuch von Arthur Schnitzler, 19. 2. 1919

19/2 Gen. Probe Burg. Ein mäßiges Lustspiel von Caillavet FlersRey Fahrt ins Blaue.– Ich fand es würdelos, bei dem bisherigen Verhalten der Franzosen gegen uns,– vor Friedensschluss, während sie unsre Gefangnen nicht freigeben – ein schwaches Stück von ein paar Boulevarddramatikern an unserm ersten Theater zu spielen, was man uns drüben doch nur als Kriecherei, nicht als Vornehmheit ankreiden wird. Was hätte das Burgtheater alles zu thun! Und nun das. Bahr!– Erneuerte durch Salten Bekanntschaft mit Gf. Albert Mensdorff, der sich noch erinnerte vor 32 Jahren beim Jubilaeum meines Vaters mein Festspiel 1 gesehn zu haben und mir von Londoner Aufführung meiner Stücke erzählte.

Abends Conc. Anbruch (mit O., Heini, Lili). (U. a. Grosz Violinsonate mit Rosé.)

Herr Herterich (Burgth.), der sich um Direction Basel bewirbt, schickt mir allerlei literar. und bühnentechnisches. Las einen Einaktercyclus »die Liebe zu Ihm«; durchaus dilettantisch.–

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1917–1919 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Richard Miklin, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1985
1 Festspiel Das ungedruckte Jubiläums-Festspiel in drei Bildern ( CUL, Schnitzler, A 73) wurde am 6. 1. 1886 zu Ehren des 25. Promotionsjubiläums Johann Schnitzlers aufgeführt.