Tagebuch von Arthur Schnitzler, 3. 7. 1924

3/7 Allein im Coupé die Nacht bis München .–

Von München bis Salzburg mit Cl. Franckenstein und Frau (er ist jetzt wieder Intendant1);– wir plaudern über Hugo, Andrian, Bahr, u. s. w.–

Salzburg . Oest. Hof.– Nm. müd im Zimmer.

Hr. Klobasser (seit 30 Jahren flüchtig bekannt) jetzt in S. ansässig gibt mir »aus Verehrung« rothe und weiße Alpenrosen.

Heinrich Mann kommt verabredeter Maßen aus Gastein an;– wir plaudern im Café Bazar und spazieren dann um den Nonnberg;– über politisches; seine Gefährdung;– über Brandes und dessen herrliche Arbeitskraft, über Verleger und geschäftliches;– über mein neues (ihm noch unbekanntes) Stück.– Nachtm. im »Bristol«; dann im Café Bazar mit A. Latzko (der sich nach dem Krieg durch seine pazif. Bücher und Novellen bekannt gemacht, seit 4 Jahren hier, im Hotel, lebt, Correspondenzen etc.), und Stefan Zweig.

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1923–1926 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1995
1 IntendantEr war Ende April zum Leiter des Münchner Nationaltheaters (ehemals Hoftheater) ernannt worden.