Tagebuch von Arthur Schnitzler, 19. 4. 1913

19/4 Dictirt Briefe.

Hr. Red. Jul. Stern vom Fremdenblatt, versucht mich (auf einem Spaziergang) wegen Bahr (der heuer 50 wird) zu interviewen1.–

Zu Tisch Annie Strial.–

Nm. fährt Olga mit Stephi nach Baden – (nach vorherigem Gespräch).–

Telephoniren mit Heller, wegen Preßburg ; Schwierigkeiten durch Barnowskys Schlamperei (er liess einen Termin vorübergehn 8. April an dem er sich für den Beginn des Gastspiels im Joh. Strauß Theater hätte entscheiden müssen) und Erich Müllers Erpressungsversuche.–

Mit Paulsen in die Stadt.–

Ich ins Imperial Kino (Hr. Brodawka), Meissl genachtmahlt.

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1913–1916 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Richard Miklin, Susanne Pertlik, Walter Ruprechter und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1983
1 interviewen Schnitzler wird im Text ohne Verfasserangabe Aus der Theaterwelt. (Hermann Bahr als Fünfziger. – Warum er auf das deutsche Volk böse ist. – Bahr über sein Stück »Das Konzert«. – Seine Tagebücher. – Ein Ober-St. Veiter Gespräch mit Alfred v. Berger), erschienen im Fremden-Blatt (Jg. 67, Nr. 107, 20. 4. 1913, S. 18–19), nicht genannt. Er lässt sich jedoch als Stichwortgeber vermuten, besonders durch zwei inhaltliche Äußerungen: Bahrs privates Tagebuch wird zum zentralen Vermächtnis erklärt, so wie Schnitzler seines begriff; und die ansonsten nicht nachweisbare Anekdote, Bahr hätte das Konzert öffentlich als »Schmarren« bezeichnet, benutzt dabei einen Ausdruck, der sich in Schnitzlers Tb findet, Tagebuch von Arthur Schnitzler, 16. 7. 1909.