Tagebuch von Arthur Schnitzler, 3. 7. 1927

3/7 S.– Zur Lutherkirche Martinstr.; auf dem Weg hin Harry, der Bruder des Bräutigams; vor der Kirche u. a. Arthur und Magda Klein; mit Kolap hinein. Trauung von C. P.s Sohn Karl mit Magda Wellesz. Den Prediger verstand ich nicht. Nachher auf der Estrade gratulirt. C. P. etwas leidend aussehend.–

Fort mit Raoul Auernheimer; über den kommenden Sommer, seinen Roman 1 und Bahrs Feuilleton 2 (das ihn ungefähr als den bedeutendsten wenn nicht einzigen der letzten Jahre hinstellt).

– Nach Hause. Gerty Rheinhardt (die auch bei der Hochzeit war), O. erkundigt sich ein wenig spitz danach. Gerty zum Essen, wie auch Karl Bamberger (der bei der Hochzeit Orgel gespielt hatte – kleine Welt!) – Nach dem Essen sang Gerty, von Bamb., wie von Heini begleitet (italienisches, Susanne (Mozart),– Falstaff); Heini und Bamb. spielen Skriabin (fragment.) und Bach.– Auch Dr. Bloch war da.

Gegen Abend zu C. P.;– die in guter Stimmung;– auch durch ihren persönlichen Erfolg bei der Hochzeit; und dann beim Essen, im Hause Wellesz.–

Z. N. bei Menczel, wo O. und Heini.–

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1927–1930 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1997
2 Bahrs Feuilleton In Der Roman ( Neue Freie Presse, Nr. 22539, Morgenblatt, S. 1–3, hier: S. 3) schreibt er über Auernheimers Die rechte und die linke Hand: » Wien wird hier sublimiert – in jedem Sinne des Wortes: es zergeht und verdampft, aber nur um, von der Herzenskraft des Dichters aufgefangen, in dauernde Gestalt gebannt zu werden. Vielleicht wird Wien in hundert Jahren einer der schönsten Romane der Weltliteratur geworden sein – wie viele Städte gibt’s denn in der Welt, die sich dies erhoffen dürfen? Ich habe den Fall Wien s weisgesagt, als dies noch nach Tollheit klang, so darf ich nun auch die Verkündigung seiner Unsterblichkeit wagen!«