Aufzeichnung von Hermann Bahr, 17. 9. 1905

17. Bei Rainer Simons. Indessen Schnitzler bei mir, den »Ruf des Lebens« und das »Zwischenspiel« zu bringen. Jenen gleich gelesen, in der »Gesinnung«, der Darstellung unserer ungeheuren Angst, das Leben zu versäumen, mir gleich sehr nahe. Die Gedrungenheit der, man wird sagen: boulevarddramatischen Handlung im zweiten Akt, wo die Figuren nur grob skizziert sind, hat Bedenken. Immer ist mir doch seine Sprache, die etwas kokette Nachdenklichkeit seines Dialogs befremdend. Schreibe ihm.

Nachmittag M bei mir, und Specht, Bach spielend; Gespräch über Nietzsche, den er mir doch zu sehr mit den Augen von Wahnfried zu sehen scheint.

  • A Wien Theatermuseum HS VM 2088 Ba
  • Weiterer Druck: 1904–1905 Bearbeitet von Lukas Mayerhofer und Helene Zand 2000 430 Bahr, Hermann Tagebücher, Skizzenbücher, Notizhefte Hg. Moritz Csáky Wien, Köln, Weimar Böhlau 1994–2003 IV