Tagebuch von Arthur Schnitzler, 22. 2. 1917

22/2 Besorgungen. Traf Frau Bahr Mildenburg, wir spazierten eine halbe Stunde, bis zur Stadtparkstation. Über »Die Stimme«, die katholisirende Komoedie ihres Gatten, in der sie selbst gespielt1. Es lag ihr offenbar daran mir gegenüber sehr stark zu betonen, dass sie auf einem ganz andern Standpunkt stehe; sie sprach klug, lebendig; auch auf Strauss, Mahler, Religion im allgem. kam die Rede.– Doch erklärt sie den Katholizismus Bahrs für einen Übergang.–

Nm. mit »Sohn« beschäftigt.

Dr. Kurt Sonnenfeld; ich sagte ihm, meinen Brief erläuternd einiges über sein poet. Streben;– er beichtete mir allerlei aus seinem jungen Leben. Psychoanalytisches. Er trug eine autobiogr. Skizze auswendig vor.–

Mit Heini ein Schubert Qu. (I.).

Agnes Bernauer (Hebbel) wieder gelesen. Man könnte ihn den größten Verdünner unter den großen Dichtern nennen.–

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1917–1919 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Richard Miklin, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1985
1 selbst gespieltBei der Inszenierung am Hoftheater Darmstadt, Uraufführung (mit anderen Bühnen) 18. 10. 1916.