Tagebuch von Arthur Schnitzler, 22. 8. 1918

22/8 Vm. Bank, Botschaft, Gustav.–

Blättre Nm. in alten Tagebüchern (95, 93, 91) – M. Rh.,– Dilly,– Fifi, Jenny,– M. G. – Ist das wirklich alles so lange her?– Unsagbar tief ergriff mich manches – nicht nur weil ich es bin. Es ist mein brennender Wunsch, daß sie nicht verloren gehen. Ist das Eitelkeit?– Auch, gewiß. Aber irgendwie auch ein Gefühl der Verpflichtung. Und als könnt es mich von der quälenden innern Einsamkeit befreien, wenn ich – jenseits meines Grabs Freunde wüßte.–

Hr. Scholz spielt mir (Vm.) und Heini die (Bahrsche) Pantomime vom braven Mann vor; z. Th. witzig – aber etwas trocken.–

Am 20. 8. heiratete Minnie Benedict;– Nachts vorher träumte mir, ich sähe sie an ihrem Hochzeitstag, gratulire ihr quasi, sie ist sehr hübsch, sieht eigentlich ganz anders aus, hat auffallend rothe Lippen, die Hand reichend sag ich ihr irgend etwas wie daß sich zwischen uns nichts aendern könne. Sie blickt vorbei, sich an einen Tisch, etwa Buffettisch stützend, der übrigens leer ist; wie auch sonst keine Leute zu sehn.–

Gegen Abend Richard Specht; er glaubt Hoffnungen zu haben, in der Oper, wenn Bittner eine Art Director wird (was kaum der Fall sein wird) eine Art Dramaturg und Regisseur zu werden.

– N. d. N. mit Heini Beethoven Phantasie mit Orch.

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1917–1919 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Richard Miklin, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1985