Tagebuch von Arthur Schnitzler, 24. 9. 1918

24/9 Vm. Panorama ( Paris ).–

Überbrachte Bernau die »Schwestern«.–

Zu Julius’; brachte ihnen die Correcturbogen der »Schwestern« und der »Heimfahrt«;– erzählte ihm meine Gespräche mit Bahr.

Nm. Nachklg. Buch 4.–

Bei Popper, der nun in der Pens. Patak. Über die polit. Verhältnisse. Er nennt Wilson den größten Massenmörder der Geschichte und sieht der Zukunft mit Graun entgegen.–

Träumte heut Nacht allerlei: Bergpartie mit meinem Bruder oder Sohn (die im Traum selten zu unterscheiden sind), Schafberg (welchen?) Hütte;– draußen eine Wiese, ein Bauernmädchen, bei der ich mich betreffs Roseggers Tod erkundige;– ich schreibe (in jener Hütte?) einen Brief an M. R.–?, die ich in einem Monat heiraten soll,– daß die Heirat nicht stattfinden wird,– zerreisse den angefangnen Brief, weil er beginnt »liebste Freundin –« was mir zu formell scheint;– auf einer Art Fortificationshöhe drei Schüsse;– in langsamen Abständen; sie bedeuten die Judification der drei Mörder Davit, Ulmer und –?. (Es waren nur zwei: Davit und Franke;– Ulmer ist der Name eines schlechten Münchner Schauspielers.).

– Wie lange schrieb ich schon keine Träume ein!

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1917–1919 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Richard Miklin, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1985