Tagebuch von Arthur Schnitzler, 5. 11. 1918

5/11 In Hietzing bei Popper. Über Colbert, den Herausgeber des Abend; ein guter Freund P.s; ein hetzerischer Schubiak, früher Ausbeuter;– er schwebt in einer ernsten Gefahr, erzählt P. (ich war zu einem tel. Gespräch gekommen), und er P. sei beauftragt ihn zu warnen.– Über die Entente Bedingungen. Daß der deutsche Kaiser noch nicht abdankt, habe darin seinen Grund (erzählt ein von Berlin kommender), daß die Generäle ihn für diesen Fall mit dem Tod bedrohen.

– Die Abreise Landesberger’s (auch Gerty und Lili mußten nach) scheint in Drohbriefen begründet.–

Nm. Tgb. 89; Notizen.–

Zum Thee Frisch, der nach München zurück fahren dürfte, Schott, der Dies irae bringt (von Wildgans, mit welchem Stück nach BahrN. W. J. – » vielleicht eine neue Epoche der Literatur anhebt 1«).–

Ruhe in Wien . Beruhigung im Cottage.–

Mit Heini Mahler Siebente.

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1917–1919 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Richard Miklin, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1985
1 vielleicht eine neue Epoche der Literatur anhebt Vgl. Hermann Bahr: Tagebuch. 23. Oktober. In: Neues Wiener Journal, Jg. 26, Nr. 8974, 27. 10. 1918, S. 5.