Tagebuch von Arthur Schnitzler, 20. 10. 1918

20/10 S.– Träume.– An mir (oder O.?) constatirt Z. einen weißen Zungenfleck – Symptom einer schweren Krankheit; räth, »das ganze herauszuschälen –«, dann Semmering oder sonstwo;– ich möchte, im Mondschein, von der Sofienalpe herab;– eine Karte von Bahr an mich oder Gustav: Sie (oder er?) kommt als einziger in Betracht (für Secretairsposten?) – ich komme mit O. an; untersuche Gepäck (an einer Art Landungsbrücke) es ist allerlei gestohlen.– Unschwer zu deuten – »der kleine Fleck« der schweres bedeutet; .  .  .  »das ganze herausschälen«;– auch daß gerade Z. es ist.  .  .  (Vicki’s Bemerkung »Warum hat er sie nicht gleich damals hinausgeschmissen«.–)

Schöner Herbsttag. Spazierg. in düstrer, böser Stimmung, zwangshaft sich steigernd PötzleinsdorfHameauSofienalpeNeuwaldeggPötzleinsdorf – Der ganze Weltuntergang, vor dem wir stehn, verblaßte vor meiner persönlichen und kaum begründeten Erbitterung. Begegnung Marie Mautner; polit. Gespräch. Ihr Vater sieht schreckliches voraus – hält »am naheliegendsten« Pogrome für wahrscheinlich.–

Zuhause. Sch. mit Frau und Kindern waren dagewesen.– Bernau schreibt mir wegen einer Schauspielerin, die mir vorsprechen soll. Heini soll bei Horchs in »Kabale«, 3. Akt – Regie führen.– Ich berathe mit O. was mit Hinblick auf das drohende zu thun. Ev. Organisation zur Vertheidigung?–

Am »Weiher«.–

Z. N. Arthur Kfm. und Schwester; Kara Leitner. Nachher Schmidls und Sgals. Politisches. Allerlei schlimmes über die Deutschen.–

  • Schnitzler, Arthur Tagebuch 1917–1919 Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Richard Miklin, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach hg. v. der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig Wien Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1985