Arthur Schnitzler an Hermann Bahr, 21. 9. 1905

lieber Hermann,

alles zugegeben, und das Epitheton 1 reizend als allzu freundlich empfunden: nur den Fürsten geb ich dir nicht so ohne weiteres preis. Ich weiss zu gut, dss diese Art, von der ich einen zu schildern versucht, nicht die Regel ist – aber gerade dss er eine Ausnahme unter denen seines Standes ist, bildet für Caecilie wahrscheinlich einen Charme mehr. Ich hatte früher ein paar Stellen im Dialog, die ich als überdeutlich eliminirte, und in denen auf den tiefen Wesensunterschied zwischen Menschen à la Amadeus und solchen à la Sigismund eingegangen wird und dieses »Anderssein« des Sigism. als Motiv für Caeciliens Hinüberschwanken verwendet ausgesprochen wurde.–

Morgen fahren wir auf ein paar Tage fort2 ( Semmering , ev. weiter) – sobald ich zurück komme bin , mußt du zu uns kommen. Wärs dir nicht am bequemsten, bei uns zu Mittag zu essen? Etwa 11–12 zu kommen und dann zu bleiben, so lang du eben kannst? Jedenfalls muss etwas gefunden werden, damit man einander mehr oefter sieht.–

Von Herzen dein
A.
Schnitzler, Arthur [Wien] 21. 9. 1905
Bahr, Hermann [Wien]
  • A Wien Theatermuseum HS AM 23372 Ba

    eh. Brief, 1 Bl., 3 S.

  • Weiterer Druck: 21. 9. 1905 Schnitzler, Arthur The Letters of Arthur Schnitzler to Hermann Bahr Edited, annotated, and with an introduction, by Donald G. Daviau Chapel Hill The University of North Carolina Press 1978 91–92 University of North Carolina studies in the Germanic languages and literatures 89
1 Epitheton Schmückendes Beiwort, hier auf »reizend« gemünzt.
2 Morgen fahren wir auf ein paar Tage fortSiehe Kommentar zum Brief Schnitzlers an Bahr, 18. 9. 1905, Arthur Schnitzler an Hermann Bahr, 18. 9. 1905.