Felix Salten an Arthur Schnitzler, 18. 2. 1895

Lieber Freund, ich habe zunächst eine grosse Bitte an Sie: da ich voraussichtlich von hier nicht wegkomme, telegrafiren Sie mir gleich nach e E rhalt dieses Briefes: »Salten Hotel München Oberpollinger. Ihre Anwesenheit für Donnerstag erwünscht. Die Redaction.« Aus dieser Bitte entnehmen Sie ungefähr auch wie es mir geht. Ich ×× me dann Donnerstag von der Bahn direkt in die Musik & Theatergesellschaft, wir uns treffen können.

Ich könnte jetzt sehr glücklich sein, wenn ich durch diese freundlichen Straßen mit einem Mädel ginge, das ich wirklich liebe. So aber ärgere ich mich ausschließlich, wenn ich mich nicht langweile. Morgen will ich ein paar Leute aufsuchen, da ich ja heute schon ein Zimmer für Lotte aufgenommen habe, mich also damit nicht weiter aufzuhalten brauche.

Ein Brief von Ihnen, der nicht schon unterwegs ist, träfe mich nicht mehr hier. Wenn etwas Wichtiges geschehen ist, dann telegrafiren Sie mir ja ohnedies noch separat. Sobald Brahm Ihnen den Contract1 gesendet & Sie diese Sache in die Zeitungen geben, vergessen sie nicht, auch Ludassy zu verständigen.

Haben Sie Bahrs Artikel A. S. 2 gelesen? Ich habe ihn noch Samstag Abend im Theater gesprochen und er war wieder beängstigend freundlich.

Leben Sie wol, und grüßen Beer Hofmann + Loris. Auf Wiedersehen

Herzlichst Ihr
Salten
Salten, Felix München 18. 2. 1895
  • UK Cambridge University Library Schnitzler, B 89 a/1

    eh. Brief, 1 Bl., 4 S., Bleistift, Lateinschrift

1 ContractFür das Aufführungsrecht für Liebelei am Deutschen Theater. Der Vertrag dürfte zu dem Zeitpunkt bereits eingelangt sein ( Bw Schnitzler/Brahm 4).
2 Artikel A. S. Hermann Bahr: Adele Sandrock. In: Die Zeit, Bd. 2, Nr. 20, 16. 2. 1895, S. 108–109.