Felix und Ottilie Felix Salten an Arthur Schnitzler, 3. 8. 1907

Salten
Wien XIX.
Armbrustergasse 6
Herrn Dr Arthur Schnitzler
Wildbad Waldbrunn bei Welsberg
Pustertal.

Lieber, ich habe Ihre letzte Karte nicht gut lesen können, glaube aber dass Sie noch in Waldbrunn sind. Uns ist es nicht besonders gegangen. Otti mußte operirt werden, was zu Hause geschah. Sie hat sich bis heute noch nicht völlig erholt. Der Arzt will, dass sie jetzt noch eine Kur brauchen soll. So gehen wir nächster Tage auf 4 Wochen nach Marienbad . Ich komme eben von dort, wo ich Wohnung genommen habe. Vorher war ich ein paar Tage in Karlsbad . Unsere Adresse ist dann (wahrscheinlich vom 8. an) »Quisiana«. Ein sehr hübsches Haus, oben im Wald bei der Waldmühle. Paul ist dieser Tage auch wieder krank gewesen, hoffentlich wird er sich in Marienbad vollständig erholen. Wann kommen Sie nach Wien zurück? Spielen Sie dort Tennis? Haben Sie gearbeitet? Haben Sie für den September Reisepläne? Ich möchte im September irgendeine Meerfahrt machen. Athen oder so was ähnliches. Bahr hat mir vom Lido einen entrüsteten Brief geschrieben, weil mich der Pötzl im Tagblatt gelobt 1 hat. Und der Pötzl hat mich gelobt, weil ich im »Morgen« Wien gelobt 2 habe. Es ist eine düstere Sache, wie Sie sehen. Aber was soll ich thun? Ich zittere, dass mich am Ende nächstens auch noch der Seligmann lobt, oder der Hugo Ganz und dann wird mich Bahr sicherlich total verachten, und komme ich einmal in die Oper, wird die M. zu singen aufhören, weil ich da bin. Mir fehlt zu meinem gänzlichen Untergang nur noch, dass Robert Hirschfeld ein Feuilleton über mich schreibt, und dass Gustav S–kopf in einem Aufruf die Wiener einlädt, meine Bücher fleißiger zu kaufen. Dann bin ich ganz kaput, und kann mich von D r Spitzer ehrlicher Weise nicht einmal mehr fotografiren laßen. Ich habe trübe Ahnungen und bin auf das Schlimmste gefaßt. Aber, wenn’s mir bestimmt ist, kann ich garnichts machen. – Hoffentlich geht es Ihnen allen gut.

Leben Sie wol und schreiben Sie bald wieder eine Zeile. Herzliche Grüße von uns zu Ihnen.Ihr FSalten

[hs. Salten, Ottilie] Viele herzliche Grüße Ottilie S.

Schnitzler, Arthur Welsberg–Taisten
  • GB Cambridge University Library Schnitzler, B 89 b/1

    eh. Korrespondenzkarte, 1 Bl., 1 S., Lateinschrift, teilw. Unterstreichungen mit Bleistift von unbek. Hand.

    Stempel 1: Wien 13 3 VIII 07 6
    Stempel 2: 4. 8. 07
1 Pötzl im Tagblatt gelobt Ed. Pötzl: Das gelobte Wien. In: Neues Wiener Tagblatt, Jg. 41, Nr. 204, 28. 7. 1907, S. 1–3.
2 Wien gelobt Das Lob für Bahrs Wien nur implizit in Felix Salten: Der Wiener Korrespondent. In: Der Morgen, Jg. 1, H. 4, 5. 7. 1907, S. 113–116.