Arthur Schnitzler an Theodor Herzl, 10. 12. 1893

Mein verehrter Freund,

herzlichen Dank! Zum gratuliren liegt eigentlich wenig Anlaß vor, denn ich bin durchgefallen. Aber das thut nichts, denn in meiner maßlosen Arroganz verachte ich das Urtheil des Schütz, und selbst das Verschwinden des Stücks vom Repertoire nach zwei Vorstellungen kann mich von der Ueberzeugung nicht abbringen, daß es besser ist, wie manche, die man – dreimal gespielt hat. –

Daß es Ihnen endlich wieder gut geht, freut mich herzlich; ich habe mich bei meinem Freund Paul erkundigt, wie es mit Ihrem Befinden steht – und habe Sie eigentlich schon seit einigen Wochen für ganz gesund gehalten. Werden Sie zu völliger Erholung einen Urlaub nehmen? –

Die Feuilletons von Bahr besorge ich Ihnen ehestens; in 2 Tagen haben Sie sie. – Wie geht es den Ihren? Bitte empfehlen Sie mich Ihrer w. Frau Gemahlin und lassen Sie recht bald von sich hören. Mit vielen herzlichen Grüßen

Ihr treu ergebner
Arthur Schnitzler
  • Schnitzler, Arthur Briefe 1875–1912 Hg. Therese Nickl und Heinrich Schnitzler Frankfurt am Main S. Fischer 1981 220–221