Hugo von Hofmannsthal an Hermann Bahr, 20. [11. 1896]

Seien Sie nicht bös dass ich Ihnen noch einmal wegen dieser blöden Angelegenheit schreibe. Ich will nichts activeres thuen und nichts mehr mit der Zeitung zu thuen haben. Eine Gruppe zu bilden ist ja direct unmöglich: Schnitzler hat von vornherein den Verkehr mit der Zeitung abgelehnt, Eckstein hat sich direct in dieser Geschichte widerwärtig gegen mich benommen, der Engländer ist überhaupt einer der unzuverlässlichsten, frauenzimmerhaft gemeinsten Menschen die es giebt, den Herrn Rappaport kenne ich nicht und habe keinen Anlass zu glauben dass er an mir mehr Interesse hat als am Kraus, die Drohung mit Maeterlinck wird nichts ausmachen, da die Leute so von der Hand in den Mund leben dass sie sicher nicht an regelmäßige Theilnahme der Auswärtigen denken. Dann hab ich gerade jetzt so viel wichtigere recht schwere Sachen im Kopf1, dass ich nicht genug Goethe bin um irgend eine mich wenig interessierende practische Angelegenheit mit Geschick durchzuführen.

  • Hofmannsthal, Hugo von Hofmannsthal, Gerty von Bahr, Hermann Briefwechsel 1891–1934 Hg. und kommentiert von Elsbeth Dangel-Pelloquin Göttingen Wallstein 2013 80–81
1 schwere Sachen im KopfEr arbeitete an einem Trauerspiel sowie dem Kleinen Welttheater.