Paula Dehmel an Hermann Bahr, 23. 9. 1902

Sehr geehrter Herr Bahr.

Wollen Sie uns helfen, etwas Dauerndes für Joh. Schlaf zu thun? Es handelt sich darum, ein paar Leute ausfindig zu machen, die monatl. 10 Mark übrig haben, diesem wundervollen Menschen und Künstler sein schweres Leben ein bischen zu erleichtern!

Natürlich unter Discretion; er würde unter der Vorstellung, daß ich für ihn »sammle« sehr leiden. Ich sage ihm blos: Das schenken Dir Freunde Deiner Kunst, da nimmt ers gern. Er quittiert mir die Summen natürlich, denn es könnte böse Menschen geben, die etc etc.  .  .  . 

Ich habe heute durch eine junge reizende Wien erin gehört, daß Sie Schlafs Portrait im Zimmer hängen haben; da faßte ich den Mut, Ihnen zu schreiben. Schnitzler und Hoffmannsthal haben so viel Geld; vielleicht thun die mit? Aber, wie gesagt: In der Stille davon!

In herzlicher Verehrung
Frau Paula Dehmel.
Dehmel, Paula Berlin 23. 9. 1902
Bahr, Hermann [Wien]
  • A Wien Theatermuseum HS AM 16861 Ba

    eh. Brief, 1 Bl., 3 S., Lateinschrift

  • Weiterer Druck: Hofmannsthal, Hugo von Hofmannsthal, Gerty von Bahr, Hermann Briefwechsel 1891–1934 Hg. und kommentiert von Elsbeth Dangel-Pelloquin Göttingen Wallstein 2013 633