Richard Beer-Hofmann an Hugo von Hofmannsthal, 10. 6. 1894

Lieber Hugo! Bin von München zurück. Der Fürstin C. habe ich am Tage vor meiner Abreise einen Besuch gemacht, sie lag zu Bette, u. ich gab daher nur meine Karte ab. Muther habe ich zweimal im Kupferstichkab. aufgesucht u. gesprochen. Ein dritter Besuch in seiner Wohnung kreuzte sich mit seinem Besuch bei mir. Th. Th. Heine haben Bahr Schnitzler u. ich im Atelier aufgesucht. Bahr wird Ihnen erzählt haben. Im allgemeinen aber soll man, wenn man mit »Menschen aus denen ästhetische wahrhafte Bildung einem näher treten kann« (Brief von Loris1) nicht zu zweit, oder gar zu dritt sein; – das habe ich gelernt. Sonst waren die paar Tage in München sehr schön und angenehm. Arthur hat sich einen Tag hier aufgehalten, und ist dann nach Hall , und dürfte Dienst.2 in Wien sein. Man müßte auch länger irgendwo sein, um einander näher zu kommen. In München gab’s zuviel zu sehen.

Herzlichst
Ihr Richard
Beer-Hofmann, Richard Bad Ischl 10. 6. 1894
  • Hofmannsthal, Hugo von Beer-Hofmann, Richard Briefwechsel Hg. Eugene Weber Frankfurt am Main S. Fischer 1972 32–33
1 Brief von LorisZitat aus dem Brief vom 29. 5. [1894] (S. 30).
2 Dienst.Dienstag war der 12., er kam aber bereits am Vortag an.