Brahm an Arthur Schnitzler, 3. 7. 1909

Lieber Freund,

nun hoffe ich Sie also in guter Ruh in Edlach sitzend und die Trennung vom Freunde des Medardus nicht allzu schmerzlich empfindend. Mich freut’s sehr, daß Sie so verlockende Fernsichten beim Paul Schlenther haben, mögen sie näher und näher kommen. Von ihm ist es gewiß richtig, das Wien er Werk den Wien ern zu zeigen, Anno 9. Kann schon sein, daß indirekt der Kainz bei der Annahme mitspricht. Wer soll denn den Medardus spielen? Gerasch? – Ich bin mit Kainz, wie Sie jetzt schon wissen, nicht einig geworden, d. h., Sie wußten es ja eigentlich schon in unseren Gastspieltagen. Er wollte nur Oktober, November kommen und zu anderen Bedingungen als in Aussicht genommen. Diese waren mir zuviel, jene zu wenig. – Das Konzert könnt ich Ihnen wohl nur schicken, wenn ich Bahr darum frage. Ist Ihnen das recht, oder wollen Sie’s etwa selber tun? (Er ist in Bayreuth bei Frau Pfarrer Richter.) Über die Prozente hab ich noch nicht mit ihm gesprochen, halte aber auch 7 und 3 für das Angemessene. – Mit dem Kleinen Theater möcht ich nie konkurrieren, also auch nicht in einer Tantiemen-Garantie, deren gleichen ich bei Berlin er Aufführungen noch nie gezahlt habe: Nun ist ja die Dame Mizzi gewiß von besonderm Schlag, aber daß ich dieses kleinen Fräuleins wegen eine neue Einrichtung schaffe, so weit wird der Herr Vater doch nicht gehen? (Er ist ja nicht der Conte Veith.) Wir haben hier endlich wieder schönes Wetter heut, und ich wünsche Ihnen ein gleiches in Ihren Höhen-und-Tiefen-Fahrten. Alles Schöne an Frau Olga,

Ihr O. B.
Brahm, Otto Bad Nauheim 3. 7. 1909
  • Schnitzler, Arthur Brahm, Otto Der Briefwechsel Arthur Schnitzler – Otto Brahm. Vollständige Ausgabe Hg., eingeleitet und erläutert von Oskar Seidlin Tübingen Max Niemeyer Verlag 1975 278