S. Fischer an Arthur Schnitzler, 18. 5. 1908

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie einen Rezensenten selber vorschlagen würden; die litterarische Buchkritik liegt augenblicklich sehr darnieder; es wird von allen Seiten auf diesem Gebiet herumdilettiert. Die paar Leute, die wirklich etwas verstehen, schreiben meist über’s Theater. Wenn ich daran denke, wem man die Besprechung über Ihr Buch 1 übergeben könnte, so scheint mir Kerr der Geeignetste. Ich bezweifle aber, ob er die Sache übernehmen würde. Wie denken Sie über Handl oder Polgar, über Salten oder Fred? Bei uns käme eventuell Eloesser, Poppenberg, Paul Wiegler in Betracht. Sehr geeignet schiene mir Bahr oder Salten. Auch an Hermann Bang wäre zu denken; ich fürchte aber, dass er dem milieu Ihres Romans etwas fremd gegenübersteht.

Verbindlichsten Dank für die Comtesse Mizi. Ich denke, daß mit der Versendung an die Bühnen am besten bis September gewartet werden müßte.

Ob Sie Entsch Ihre Stücke kündigen können, ohne einen rechtlichen Grund für die Aufhebung des Vertragsverhältnisses vorzubringen, bezweifle ich sehr.

Für die Versendung Ihres Romans ist alles erforderliche – inclusive der Insertion in Zeitungen – vorbereitet.

Mit herzlichen Grüßen von uns zu Ihnen Ihr ergebener
SFischer
Fischer, Samuel Dresden 18. 5. 1908
  • Fischer, Samuel Fischer, Hedwig Briefwechsel mit Autoren Hg. Dierk Rodewald und Corinna Fiedler. Mit einer Einführung von Bernhard Zeller Frankfurt am Main S. Fischer 1989 81–82