S. Fischer an Arthur Schnitzler, 15. 12. 1910

Herrn Dr. Arthur Schnitzler
Lieber Herr Doktor,

ich habe vorige Woche Reinhardt einen eingehenden Brief geschrieben und ihn um eine Unterredung ersucht, falls er über den »Medardus« in Verhandlungen einzutreten wünscht. Er hat darauf, wie gewöhnlich, nicht geantwortet, und so scheint es, dass ihm an der Verhandlung über den »Medardus« nichts gelegen ist. Es wird sicher Ihren Intentionen entsprechen, wenn ich Reinhardt nicht nachlaufe; die Zeit wird kommen, wo der »Medardus« die Voraussetzung sein wird für andere Stücke, die Reinhardt etwa haben will.

Unterdessen haben wir eine Anfrage bekommen, ob es nicht möglich wäre, den Umfang des »Medardus« für die Verhältnisse der Provinzbühnen zu reduzieren. Vielleicht haben Sie in nächster Zeit einmal Gelegenheit, uns ein eingerichtetes Exemplar zuzuschicken.

Ich habe Hermann Bahr angefragt, ob er eine »Schnitzler-Monographie1« schreiben möchte. Er schreibt mir, dass es ihn sehr locke und dass er über keinen andern deutschen Dichter so gern ausführlich und von ganzem Herzen schreiben würde wie über Sie. Wie ich vermutet habe, findet er aber keine Zeit dazu, weil seine Pläne ihn für die nächsten drei Jahre ganz und gar gefangen halten.

An wen soll ich mich wenden? Ich dachte jetzt wieder an Polgar, aber ich weiss nicht, wie er zu Ihnen steht.

Soeben ist – auf Grund telegraphischer Verhandlungen – der Abschluss mit Direktor Beöthy für die ungarische Aufführung des Anatol-Zyklus im Königstheater in Budapest perfekt geworden, und zwar zu folgenden Bedingungen: 5% Tantieme, Garantie M. 1000.–, Aufführung spätestens Februar 1911.

Mit vielen herzlichen Grüssen
Ihr ergebener
S.Fischer
Fischer, Samuel Berlin 15. 12. 1910
  • Weiterer Druck: Fischer, Samuel Fischer, Hedwig Briefwechsel mit Autoren Hg. Dierk Rodewald und Corinna Fiedler. Mit einer Einführung von Bernhard Zeller Frankfurt am Main S. Fischer 1989 86–87