Arthur Schnitzler an Stefan Zweig, 25. 5. 1913

Lieber Herr Doctor. Ihr schöner Brief hat mir wahrhaft wohlgetan. So sicher ich bei dem Dichter des »Kinderlands« auf vollkommenes Verständnis gefasst sein durfte (Ihre Bedenken hinsichtlich des Schlusses theil ich sogar – seit einiger Zeit erst); die warme menschliche Antheilnahme die Sie an meinem Schaffen haben und deren ich immer gewiss war, hat sich selten so lebhaft ausgedrückt als in Ihren letzten Worten, für die ich Ihnen freundschaftlichst die Hand drücke. –

Ich danke auch für die Einladung zur Bahr Feier u bitte zugleich um Entschuldigung, daß ich nicht kommen werde. Sie wissen ja, daß ich mich (aus Gründen, die nicht ausschließlich nervöser Natur sind) von solchen Veranstaltungen wenn es nur irgend angeht fernhalte (das Hauptmann Bankett war eine Ausnahme, weil ich, nach einem Misverständnis zwischen Hauptmann u mir die Gelegenheit benutzen mußte ihm zu begegnen) – auch Bahr (der übrigens glaub ich dasselbe thut) kennt diese meine Gepflogenheit und wird fern davon sein mir mein Ausbleiben übel zu nehmen. Sie aber, lieber Freund, bitt ich um das gleiche – und zugleich um Mittheilung wo Ihre Rede ausführlich im Druck erscheinen wird. Wie sind Ihre Sommerpläne? Wir wollen Anfang Juli einige Wochen fort sein, und dann bis gegen Ende Juli in Wien verbringen. Ein baldiges Wiedersehen erhoffend und mit herzlichen Grüßen

Ihr aufrichtig ergebener
Arthur Schnitzler
Schnitzler, Arthur Wien 25. 5. 1913
Zweig, Stefan [Salzburg]
  • Zweig, Stefan Briefwechsel mit Hermann Bahr, Sigmund Freud, Rainer Maria Rilke und Arthur Schnitzler Hg. Jeffrey B. Berlin, Hans-Ulrich Lindken und Donald A. Prater Frankfurt am Main S. Fischer 1987 378