Brahm an Hermann Bahr, 13. 7. 1911

Lieber Herr Bahr,

das »Tänzchen« scheint mir gewonnen zu haben, auch in der Lavin-Szene, von der ich , ( zumal von ReicherLavin dargestellt , ) nun auch dargestellt eine starke Wirkung hoffe. Die Malwinen-Szene im 3. Akt finde ich mit wenigen Worten glücklich erhellt. Einige leicht zu erfüllenden Wünsche behalte ich mir vor, Ihnen in Bayreuth zu sagen; dort wollen wir auch über Besetzung u. s. w. sprechen. Es ist mir durch den Kopf gegangen, ob man nicht diesmal die Schnitzlersche Mizzi anhängen sollte; auch darüber mündlich, vorläufig ist es nur eine Idee, für die ich mich selbst noch nicht stark mache.

Nun aber der Festspielhügel. Ich muss mich schlecht ausgedrückt, oder Sie mich missverstanden haben, dass Sie mich für den 31. und 1. erwarteten und die Freundlichkeit hatten, Plätze zu bestellen. Ich wollte nur ungefähr das letzte Stückchen des Monats angehn, Näheres aber vorbehalten. Die Sache liegt nun so, dass ich am 24. hier (oder von Wien ) fortgehen will, und entweder schon am 25. Vormittags nach B. käme, oder erst im August (7. oder 8. etwa). Gern hätte ich Ihnen schon bestimmteres geschrieben, – wenn mich nicht Hauptmann ohne Nachricht liesse; ihn wollte ich in Agnetendorf besuchen, oder irgendwo mit ihm zusammentreffen, und jetzt ist keine Antwort von ihm zu kriegen. Ich werde ihm jetzt gleich nochmal draten, und dann Ihnen, sobald ich eben kann. – Hauptm. hat in B. in der Eremitage gewohnt, ich möchte das auch gern tun, wenn Sie nicht gewichtige Gründe dagegen haben. Vielleicht können Sie, wenn ich Ihnen die genaue Angabe der Tage mache, dann gleich für mich mieten, sei es nun in der Eremitage, oder in den Hotels, die Sie bezeichnen. Ebenso hoffe ich auf Ihre Beziehungen zu den Cigarrenhändlern, wenn die Festspiel-Verwaltung nichts mehr von mir wissen will. Und endlich haben Sie wol die Güte, dieser zu erklären, dass die Bestellung für den 31. und 1. auf einem Irrtum beruhte, und dass ich die Plätze nicht abnehmen kann, leider.

Schöne Suppe, die Sie sich das eingebrockt haben, gelt?

Freundschaftlich Ihr
OB
Brahm, Otto Semmering 13. 7. 1911
Bahr, Hermann [Wien]
  • A Wien Theatermuseum HS AM 16066 Ba

    eh. Brief, 1 Bl., 3 S., Lateinschrift, gedruckter Kopf: » Lessing-Theater / Direktion / Dr. Otto Brahm. / Berlin NW. 40 , den ........... 1911 «