Emerich von Bukovics an Hermann Bahr, 29. [6.?] 1902

In Bestätigung Deines freundlichen Schreibens vom 27. d. M. theile ich Dir mit, daß ich unter Einem an Weisse schreibe und Dich bitte noch ein paar Tage zu gedulden. Ich hoffe die Ebnung der Angelegenheit Tschaperl doch zu erreichen. Ich kann Dir, von Deinem Standpunkt aus nur vollkommen Recht geben. Unrecht aber hast Du Deinen Fall mit dem Schnitzler’s1 zu vergleichen, denn bezüglich der Einakter war Alles abgemacht und die Forderung der Garantie von 3000 Kronen kam plötzlich, während ich in Paris war und nur gestützt darauf, daß Fellner die Ausfertigung der Verträge verhandelt hatte, mündlich war abgeschlossen, die Bedingung war neu , dazu hatte Schnitzler nicht einmal ein Recht, die Stücke zurückzuziehen denn wir hätten auf der mündlichen Abmachung bestehen können.

Deiner liebenswürdigen Gattin bin ich wiederholt beim Brunnen begegnet.

Meiner Frau und mir geht es ××××××× besser, bei mir, der ich die Cur genau brauchen kann, geht’s na schon. Meine Frau ist noch sehr schwach.

Am 9. Juli kommen wir nach Hause, hoffentlich sehe ich Dich noch vor Deinem Urlaub.

Meine Frau und ich, wir grüßen Dich herzlich, Dein treuergebener

Bukovics
Bukovics, Emerich von Karlsbad/Karlovy Vary 29. [6.?] 1902
Bahr, Hermann [Wien]
1 JuliVermutlich Schreibirrtum. In der Folge ist von einer Heimkehr am 9. 7. die Rede. Dass der Brief hingegen im Juli geschrieben wurde und die zweite Stelle auf August zu ändern ist, ist durch ihren Inhalt unwahrscheinlich, da Bahr Mitte Juli eine länger geplante Reise antrat und ein Treffen vorher gar nicht möglich gewesen wäre.