Siegfried Trebitsch an Hermann Bahr, 2. 2. 1904

Liebster Freund Bahr!

ich danke Ihnen für Ihre liebe Karte. Wären Sie doch hier! ich bin auf das Tiefste verstimmt, Première wird auf den 10. d. verschoben! Sorma hat heute infolge Überanstrengung bei »Schwester Beatrix« einen Weinkrampf bekommen und musste nachhause gebracht werden! Die arme Frau spielt jeden Abend, Nachts lernt sie und von 10 bis 4 steht sie auf der Probe und muss sich dann noch mit dem Schneider herumärgern.

Dadurch wird auch die »Candida« um ca eine Woche verzögert werden und mein Gefühl zu Reinhardt wird immer unsicherer und enervierender! Dazu musste er mich aus meinen Arbeiten herausreißen und hierherlotsen!! Na; ich hoffe auch diese Dinge unterzukriegen.

Morgen will ich mich mit Löwenfeld Ihretwegen in Verbindung setzen! an den Star denk’ ich!! aber vorher muss die Sorma wohl frei und froh über einen Erfolg, den sie mir verdankt.

1.) Brahm wird im Mai in Wien gastiren, da die Weber nun frei sind1. Man hört, dass er außer »Meister« und Thal des L. auch noch den Einsamen Weg spielen will.

2.) Reinhardt will trotzdem 14 Tage später nach Wien ans Wiedner Theater, aber der will ja täglich was andres.

3.) Hauptmann ist schon wieder wohl und in Wien bei seinen Proben.

Bitte Details über Ihr befinden! Alle lassen Sie tausendmal Grüßen und rechnen mit Ihrer vollständigen Wiederherstellung.

Ihr sehr getreuer
Trebitsch
Trebitsch, Siegfried Berlin 2. 2. 1904
Bahr, Hermann Marbach am Bodensee
  • A Wien Theatermuseum HS AM 24634 Ba

    eh. Brief, 1 Bl., 3 S. Rechts oben Prägedruck: »S. T.«

1 Weber nun frei sind Bahr war daran beteiligt, dass eine erste österreichische Aufführung von Gerhart Hauptmanns Die Weber möglich wurde. Vgl. Bw Bahr/Holz 70–72.