Arthur an Olga Schnitzler, 22. 8. 1918

Frau Olga Schnitzler
Express

mein liebes, meine beiden Telegr., eins nach München , eins nach Part. hast du (hoffentlich) u ich erwarte jetzt deine definitiven Nachrichten, um mich entgiltig zu entscheiden. (Von einem Misverstehen konnte keine Rede sein.) –

Von Brann ein Kartenbrief, aber ohne seine Adresse – er möchte uns Sept. ev. in München sehn. Von Gunds Grüße aus Interlaken .– Unendlichen Aerger mit F; – die hiesige Filiale1 druckt schon – aber was? – 4 Bücher – nicht eins von einem oesterr. Autor!!! – (Unter uns!) Die Papierzentrale schreibt an ihn um Aufklärung. – Statt Rosbm gedenkt er einen Berl. Schriftsteller u einen andern Oesterreicher zu engagiren. (Ich höre die Gespräche in Travemünde 2!) – Neulich war ich Abends mit Julie, Michel, Leo, Smekal zusammen. M. hatte mir (nach Julie) allerlei wichtiges zu sagen, schwieg sich aber aus. Poldi sprach ich flüchtig nach »Figaro«, er wollte mich noch einmal aufsuchen. Gerüchte, – daß neben H. B. auch F. S. als Berather fungiren wird.– Im allgemeinen bin ich für ein Konto von 300.000, und Waldspaziergänge. Wenn einem bei solcher Gelegenheit was einfällt, kann man auch aufschreiben. Aber schon beim Druckenlassen fängt die Schweinerei an.–

Leb wohl, denk an mich, grüß das gute Liesl und Albert.

Faul, Innigst
Dein
A
Schnitzler, Arthur Wien 22. 8. 1918
Schnitzler, Olga Garmisch-Partenkirchen
  • D Marbach am Neckar Deutsches Literaturarchiv A:Schnitzler, 85.1.1847

    eh. Karte, Lateinschrift, gedruckter Kopf: »Dr. Arthur Schnitzler / Wien XVIII. Sternwartestrasse 71«

    Stempel 1: Wien 16 22. VIII. 18
1 hiesige FilialeDer S. Fischer-Verlag hatte in Wien eine Niederlassung eröffnet, um hier Papier zugeteilt zu bekommen.
2 Travemünde Hier urlaubte S. Fischer regelmäßig im Sommer.