Elsa Plessner an Arthur Schnitzler, 30. 5. [1897]

Verehrter Herr Doctor!

Herzlichsten Dank für Ihre liebenswürdigen Zeilen bez. »Freundin Clotilde«. Anweisung ist bereits befolgt und dieses Opus liegt schon in Dialogform vor. –

Zweck meines heutigen Schreibens ist, Sie, verehrter Herr Doctor davon zu benachrichtigen, dass H. Bahr den »gläsernen Käfig« für die »Zeit« acceptirt hat, was er mit gestern in einer überaus liebenswürdigen Epistel anzeigte, in welcher er auch über »Warten« sich außerordentlich günstig ausspricht. – – – –

Dieses angenehme Resultat verdanke ich wiederum nicht zum kleinsten Theil Ihrer Befürwortung! – – »Ich hab’s aber immer gesagt – Sie sind ein Engel!1« Pardon – ich freue mich so sehr, darum dieser schauderhaft »N ××e«sche Ausspruch!!

Ich hatte so ein bisschen Aufmunterung sehr nöthig!!–

Ich hoffe und wünsche, dass Sie sich in London 2 recht wohl und vergnügt befinden mögen und uns als künstlerische Ausbeute Ihrer Reise recht bald eine Reihe neuer Arbeiten bescheeren mögen, mit denen Sie selbst zufrieden sind.– Das ist das Schönste, was ich einem Künstler wünschen kann! Nicht? – –

Also nochmals, herzlichsten Dank von Ihrer Sie ehrlich und aufrichtig verehrenden

ElsaPlessner.
Plessner, Elsa Wien 30. 5. [1897]
  • D Marbach am Neckar Deutsches Literaturarchiv A:Schnitzler, 85.1.4198

    eh. Brief, 1 Bl., 4 S., Lateinschrift

1 Ich hab’s aber immer gesagt – Sie sind ein Engel!Mit der Ergänzung ».  .  .  an Gemüth« zu finden in Johanna Schopenhauer: Gabriele ( 18181819, Sämmtliche Schriften. Neunter Band: Gabriele. Dritter Theil. Leipzig: F. A. Brockhaus, Frankfurt am Main: J. D. Sauerländer 1830, S. 223), womöglich dort schon ein Reflex auf »Ah! je l’ai dit cent fois, tu es un ange du Ciel, ma Julie!« (Jean-Jacques Rousseau: Julie ou la Nouvelle Héloïse, Brief 43).
2 London Er war vom 26. 5. bis zum 1. 6. 1897 in London .