Hermann Bahr: Theater und Kunst [Liebelei im Burgtheater], 26. 11. 1899

Theater und Kunst.

Als Fritz Lobheimer in der » Liebelei « hat Herr Korff sehr gefallen. In den heiteren Szenen hat er eine reizende Art, wienerisch nonchalant zu sein, ohne doch auch nur ein Wort fallen zu lassen; in der Szene mit dem Herrn eine kurze athemlose Nervosität, die packt. Im zweiten Akte wird er ein bischen gar zu sentimental, und wo er herzlich sein soll, klingt es nicht ganz echt. Zum Paul Wedding in Bernstein’s » Blau « reicht seine Laune nicht aus, dazu ist sie nicht breit und behaglich genug. Es fehlt ihm da wieder, wie schon neulich bei seinem Bolz, das Sprudelnde, das Mitterwurzer in solchen Stellen hatte, die hinreißende, fortwirbelnde Bravour und die eigene Freude an der Teufelei. Er scheint das selbst zu fühlen und will nachhelfen, indem er bald ein wenig Mitterwurzer im Tone, bald mit den Händen Herrn Hartmann kopirt, was nicht eben angenehm wirkt. Charmant ist in dem Stückchen Fräulein Witt ; den Onkel gibt Herr Treßler mit feinstem Humor, man wird ihm manche Rolle des Herrn Schöne getrost anvertrauen können. H. B.

  • Bahr, Hermann Theater und Kunst [Liebelei im Burgtheater] Österreichische Volks-Zeitung 26. 11. 1899 45 326 17