Arthur Schnitzler: Leben und Nachklang, Werk und Widerhall, [25. 5. 1915 – 28. 1. 1920]

Manchmal, ach selten genug, lächelte mir das Glück doch so weit, daß ein oder der andere Traum sich in bescheidenem Maß erfüllen durfte; im ganzen aber war es mir auf dem Turf wie bei anderen Spielgelegenheiten so wenig hold, daß es mir heute ziemlich rätselhaft erscheint, wie es mir überhaupt gelang, in diesem Freiwilligen- und in manchem nächsten Jahr meine Lebensweise fortzuführen, ohne in ernstliche Ungelegenheiten zu geraten. Von ferne betrachtet, war ich damals mit meinem geringen Taschengeld, das immer schon im vorhinein aufgezehrt und mit Schulden überlastet war, wirklich ein wenig der »Fünfguldenlebemann«, wie Hermann Bahr später, nicht sonderlich zutreffend, den Helden1 meines ersten Buches genannt hat, und mancher meiner »Kumpane«, wie ich sie an dieser Stelle wohl nennen darf, mochte, selbst wenn es bei einem oder dem andern über die fünf Gulden hinausging, auch in der Nähe nach nichts Besserem ausgesehen haben.

  • Schnitzler, Arthur Jugend in Wien. Eine Autobiographie Hg. Therese Nickl und Heinrich Schnitzler. Mit einem Nachwort von Friedrich Torberg Wien, München, Zürich, New York Fritz Molden 1968 163–164